City Flyer Interview with Barbie Hardrock

 

Foto: Barbie Hardrock
Verlag/Jahr: City-Flyer Printausgabe 03/11



Barbie mit Rockambition

PRINT: BARBIE HARDROCK – warum gute Mädchen in den Himmel kommen und Rockladies überall hin.

 

Als Barbie Hardrock vor fast 10 Jahren mit der Girlieband Bitchicks erstmals die heimischen Bühnen betrat, konnte sie noch nicht ahnen, wie weit sie ihre Stimme tragen wird. Bisweilen bis in die USA, deren Südwesten sie mit ihrer Poprock Band Rocquette heimsuchte. Werner Harauer befragte den Herzogenburger Rotschopf nach seinem Erfolgsgeheimnis.
City-Flyer: Gibt man deinen bürgerlichen Namen Melanie Planyavsky im Google ein, findet man dich dort auch als bildende Künstlerin vertreten. In deiner Musik-Biografie steht davon nichts. Hat es einen Grund, warum du deine Rolle als Bildende Künstlerin und Musikerin trennst?

 

Barbie Hardrock: Eigentlich trenne ich das gar nicht, der Künstlername Barbie Hardrock steht sowohl für Singer/Songwriter von Rocquette, als auch für die Acrylmalerei, darum ist die Werkesammung auch unterwww.barbiehardrock.com zu finden. Dort ist auch auf die Rocquette-Website verlinkt. Umgekehrt haben wir keinen Link gesetzt, da die Musik bei mir an erster Stelle kommt. Damit befasse ich mich bereits seit 20 Jahren.
C-F: Seit wann beschäftigst du dich mit Malerei? Und wann bist du mit deinen Werken das erste Mal an die Öffentlichkeit getreten?

 

 

Barbie: Ich male seit circa 10 Jahren. Zum ersten Mal öffentlich ausgestellt habe ich meine Bilder damals bei der Initiative Schlachthof am St. Pöltener Rathausplatz, am 11. Mai 2002. Meine erste eigene Vernissage fand 2005 in Wels statt.
C-F: Die klischeebehafteten Rollenbilder einer Malerin und einer Frontfrau einer Rockband unterscheiden sich stark. Wie gehst du mit den Erwartungshaltungen deiner “Kundschaft” um?

 

 

Barbie: Da könntest du Recht haben. Vielleicht macht diese Erwartungshaltung die Sache erst spannend, nämlich dass man auch Malerei von der Frontfrau einer Rockband kaufen kann.
C-F: Mich beeindruckt, wie du in deiner Band Rocquette die Rolle der Front­frau ausfüllst. Als Mischung aus Suzie Quatro und Avril Lavigne hast du Potential für eine riesige Fangemeinde. Aus welcher Ecke kommt deiner Meinung nach der typische Rocquette Fan?

 

 

Barbie: Ich glaube, dass es den “typischen” Rocquette Fan nicht gibt. Die Fans von Rocquette kommen aus allen Genres. Müsste ich mich aber für ein Genre entscheiden, wäre das Rock. Die Musik von Rocquette basiert auf lauter, E-Gitarren-lastiger Mischung verschiedener Rock-Richtungen (Hardrock, Poprock). Das kommt von unseren am meisten gehörten Bands wie Aerosmith, AC/DC, Guns n’Roses, um nur wenige zu nennen. Dazu hat sich in den letzten Jahren eine melodiöse, ins Ohr gehende Vorliebe für Country und Blues entwickelt, die auf unsere Trips nach Nashville, Memphis und auch den Süd-Westen Amerikas und die da­bei gesammelte Inspiration zurückgeht. Bei mir persönlich kommen noch die Rock-Giganten der 80er dazu, wie Poison und Def Leppard … daher ist auch bei Rocquette mit Gänsehaut-Feeling und “Gitarren-Solo-auf-Felsen-mit-im-Wind-wehenden-Haaren”-Intros zu rech­nen. Außerdem beeinflussen mich wahnsinnig tolle Sängerinnen wie Nancy Sinatra und Tina Turner. Um deine Frage zu beantworten: Genauso breit gefächert zeigt sich die “musikalische Ecke” unserer Fans!
C-F: Irgendwelche musikalischen Neue­rungen wird man in euren Songs nicht entdecken. Stattdessen hat man das Gefühl, Bekanntes aus weit zurück liegenden Zeiten zu hören mit dem Bewusstsein, dass dies gar nicht möglich ist, weil die Aufnahmetechniken viel zu perfekt sind. Willst du den Hörern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln? Quasi nach dem Motto: hört euch das an, wir wollen euch nicht schocken, wir bringen nur das, was immer gut war und immer gut sein wird. Eine sehr konservative Haltung eigentlich.

 

 

Barbie: Was Rocquette von anderen Bands unterscheidet ist, dass wir uns nicht zwanghaft darauf konzentrieren neue “Schocker” zu erfinden oder uns gegen den Mainstream zu wehren. Das Hauptaugenmerk liegt darin, Rock’n’Roll zu machen, der uns und dem Hörer einfach Spaß macht. Und da sind wir auch nicht zu stolz, um mal am Gitarrenverstärker den “70er Jahre-Sound-Knopf” zu drücken. Seit dem neuen Album “13” werden wir genau darauf angesprochen, dass gerade diese Mischung aus Altem (z.B. kitschige Rock-Ballade á la 80er) und Modernerem (Vergleiche wie “erwachsene Avril Lavigne”, Pink) eine willkommene Abwechslung für Publikum sowie auch für die Medien und Kritiker darstellen.
C-F: Auch dein Rollenbild als Frontfrau auf der Bühne ist stark überzeichnet. Barbie Hardrock wirkt wie eine weibliche Anime-Figur aus einem japanischen Zeichentrickfilm. Ist das Kalkül?

 

 

Barbie: Tatsächlich? Das höre ich zum ersten Mal! Obwohl, privat ist mir schon ein-, zweimal gesagt worden dass meine Augen irgendwie was Asiatisches haben. Das hab ich von meiner Oma. Nein, das ist eigentlich keine Absicht – das erklärt zumindest betreffend meiner kleinen Schwester so einiges … sie hat ein Faible für Japan, Anime und Mangas.
C-F: Wenn man mit Klischees arbeitet, die international verstanden werden, hat man natürlich den Vorteil auch ein internationales Publikum erreichen zu können. Siehst du dich als internationale Popkünstlerin?

 

 

Barbie: Aus diesem Grund sind die Vocals englisch, genau. International zu touren ist eine tolle Sache! Fans haben wir ja weltweit: vor allem in Südamerika, Nordamerika und die Türkei ist auch ganz vorn dabei.
C-F: Rocquette tourte im Jahr 2009 durch den Südwesten der USA. Hattest du das Gefühl, die Hörer auf der anderen Seite des großen Teiches haben die kulturellen Codes, die ihr gesetzt habt, richtig verstanden und übersetzt? Oder wart ihr die Exoten aus Austria, auf die man einfach neugierig ist.

 

 

Barbie: Auf jeden Fall versteht man in den USA unsere “codes”, und die Texte schon beim ersten Mal hören. Das ist dann ein super Gefühl, wenn man sieht wie das Publikum auf einen witzigen Text mit Lachen reagiert und mir zustimmend mit den Gläsern zuprostet. Natürlich funktioniert das in Austria auch, aber da sind es die eingeschweißten Fans die die Texte schon im Schlaf singen können – das motiviert uns dann umso mehr.
C-F: Die Band bemüht sich um ein modernes Marketing und arbeitet viel mit den neuen Medien um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Auf Youtube beispielsweise gibt es kleine Episoden eurer US-Tour zu sehen. Du bist in social medias sehr präsent, es gibt professionelle Fotoserien von dir … Muss man als Musiker heute auch firm in all diesen Bereichen sein um wahrgenommen zu werden?

 

 

Barbie: Ich glaube, dass die Leute heutzutage von dir erwarten, überall dabei zu sein. Ich bekomme Anfragen und finde selber so viele Seiten dass ich oft gar nicht nachkomme – aber natürlich versuche ich die wichtigsten Netzwerke (wie z.B. offizielle Website, Facebook und Twitter) immer aktuell zu halten. Die “Webisodes” sind für uns selber so etwas wie ein modernes Foto-Album – und die Fans sind immer begeistert wenn es etwas Neues gibt, man sieht uns halt mal aus anderen Perspektiven und das macht uns und auch den Fans Spaß. Das Internet bietet einem jungen Künstler auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.
C-F: Du warst im Jahr 2002 Frontfrau der Girlieband Bitchicks. Rückblickend denke ich mir war dein damaliger Zugang zum Rock-Biz ein Suchen und Herumprobieren, aber auch eine gewisse Scheiss-drauf Haltung. Rocquette hingegen bemüht sich schon sehr um Professionalität. Was gewinnt man durch Professionalität und verliert man auch etwas dabei?

 

 

Barbie: Zu den Bitchicks kam ich durch ein Inserat, die Grundidee war da bereits vorhanden. Mit Kathrin Pfeiffer und Ina Grafendorfer habe ich meine ersten Band- und Bühnen-Erfahrungen gesammelt. Das erste Konzert haben wir gleich nach wenigen Wochen Bandarbeit auf die Beine gestellt, das war eigentlich damals schon ein beachtlicher Erfolg.
Heute ist es so, dass Thomas M. Perry sehr viel Wert auf ein perfektes Recording und Mastering legt, und ich selbst bin auch sehr viel pingeliger und eigensinniger geworden was das Songwriting und die Melodien angeht. Viele Optionen wie zum Beispiel diverse Lizenzierungen für Film und Fernsehen, oder auch die Chance auf Live-Konzerte in größerem Rahmen eröffnen sich oft erst durch ein professionelles Auftreten. Man braucht zwar vielleicht mehr Zeit, Geduld und Kompromissbereitschaft, aber es lohnt sich.
C-F: Wieso eigentlich das schnelle Ende der Bitchicks?

 

 

Barbie: Ich bin damals nach Wien gegangen, Ina war mit ihrer Ausbildung auch sehr zeitlich eingeschränkt; so hat sich das damals ergeben.
C-F: Was hat es mit der Band Nothing Sirius auf sich? Du warst dort ebenfalls Sängerin im Anschluss an die Bitchicks-Zeit. Wer war außerdem in der Band und wie lange existierte sie?

 

 

Barbie: Während meiner Zeit in Wien habe ich mich nach lokalen Bands umgehört und bin durch ein Casting zu Leo (Drums), Stefan (Bass) und Hermann (Gitarre) gekommen. Als Hermann und Stefan dann die Band verließen, kamen Andy (Bass) und Thomas M. Perry, der mich bis heute begleitet und mit mir dann 2005 die heutige Band Rocquette gegründet hat, dazu.
C-F: Im Promo-Text von Rocquette wirst du als Sängerin mit “sexy Charme” vorgestellt – ein “no go” in den 70ern und 80ern, wo sich Frauen nicht auf “sexy” reduzieren lassen wollten. Riskierst du mit dieser Zuschreibung nicht, dass du in erster Linie nach deinem Äußeren beurteilt wirst und danach erst deine künstlerischen Qualitäten?

 

 

Barbie: Diese Frage beantworte ich einfach mal mit einem Zitat von Meat Loaf: “Sex, Drums & Rock’n’Roll!” Das gehört einfach zu einer guten Show.
C-F: Rocquette haben Anfang Februar mit “13” ihr drittes Album veröffentlicht, auf dem sich durch glamourös-kitschige Rockballaden und Rock’n’Roll Songs abwechslungsreiches Party-Feeling breit macht. Überraschend sind die Blueszitate auf dem aktuellen Album. Geht der neu hinzu gekommene Blues-Einfluss von Gründungsmitglied, Gitarristen, Songwriter und Produzenten Thomas M. Perry aus? Und konterkariert dieser nicht die auf Massentauglichkeit ausgerichtete Produktion?

 

 

Barbie: In der Zeit, in der TMP und ich nun schon zusammenarbeiten, haben wir uns ständig gemeinsam weiterentwickelt und so haben wir beide, neben Rock’n’Roll und Hardrock, auch Country und Blues lieben gelernt. Ob das gegen die Massentauglichkeit geht? Das denke ich nicht – Blues-Riffs prägen jetzt schon seit mindestens 40 Jahren die Gitarrenmusik, zum Beispiel steckt auch bei den Rolling Stones sehr viel Blues im Rock, die liebe ich übrigens sehr … “Brown Sugar” und dazu die Sonne ins Gesicht scheinen lassen – traumhaft!
C-F: Gibt es schon erste Resonanzen auf das Album?

 

 

Barbie: Ja! Die eingeschweißten Fans haben sich ja bereits bei der Release-Party ein Exemplar mit diversen weiteren Goodies und Merch-Artikeln (Voodoo-Rock-Puppets etc) geholt und die Resonanz war bisher durchgehend positiv. Auch die ersten Reviews und Artikel trudeln bereits nacheinander ein und werden regelmäßig auf unseren Websites aktualisiert. Weiters sind jetzt auch schon die ersten Medien-Termine fixiert: “Hosted by Rocquette” auf Radio Ypsilon “Church of Noise”, bei der wir am 29. März ab 20:00 Uhr zwei Stunden lang den Hörern mit unsren Favorites einheizen werden, und kurz darauf wird es auch einen Beitrag auf Mulatschag TV (Okto) inklusive einer kurzen Show geben – der Termin für die Ausstrahlung wird dann rechtzeitig auf unseren Websites angegeben.
C-F: Werdet ihr demnächst in der Nähe live zu hören sein? Ihr habt ja keine fixen Bandmitglieder. Welche Musiker werden euch beide begleiten?

 

 

Barbie: Das nächste Konzert in der Umgebung findet am 13. Mai im Rahmen einer Filmpremiere und TV-Jubiläums-Feier in der Szene Wien statt. Live werden wir von verschiedenen, sehr guten Musikern unterstützt.
C-F: Womit wirst du zuerst berühmt? Mit deinen Bildern oder mit deiner Musik?

 

 

Barbie: Ich weiß es nicht – was gefällt dir denn besser?
C-F: Hast du einen Plan-B falls du wider Erwarten auf den Starruhm verzichten musst?

 

 

Barbie: Wie heißt es in der Branche so schön… „Die tryin´!“

 

 

C-F: Ich bedanke mich für das Interview.